CD4-Zahl als Prädikator für das Risiko an einem bösartigen Tumor zu erkranken
Die HIV-Therapie hat die Ursache für die Todesfälle von HIV-Patienten verändert: Es sterben immer weniger behandelte HIV-Infizierte an AIDS-definierenden bösartigen Tumoren (AIDS defining malignancies, ADM), aber dafür häufiger an nicht-AIDS-definierenden bösartigen Tumoren (non AIDS defining malignancies, nADM). Typische ADM sind Kaposi-Sarkom, Non-Hodgekin-Lymphom (NHL) und Gebärmutterhalskrebs und zu den nADM zählen Lungenkrebs, Analkarzinom sowie Karzinome von Magen und Darm, Kopf-Hals, Urogenitaltrakt, Brust, Haut sowie hämatologische Tumoren außer NHL. Zum einen erhöht sich bei HIV-negativen Menschen mit zunehmendem Alter das Risiko, an bösartigen Tumoren zu erkranken und zu sterben. Und das gilt auch für HIV-positive Patienten, die dank der modernen HIV- Medikamente immer älter werden. Zum anderen scheint das Risiko für HIV-infizierte Menschen per se höher zu sein, an einem bösartigen Tumor zu erkranken. Dabei ist das Ausmaß der Immunschwäche vor Therapie ein Prädiktor für das Risiko an einem ADM oder nADM zu sterben, ohne dass die Viruslast einen Einfluss hat. So lautet das Ergebnis einer Auswertung der ADM- und nADM-Todesraten und den Risikofaktoren aus der D:A:D-Kohorte, die jetzt in AIDS (vol 22, 18. Oktober 2008, S. 2143-2153) veröffentlicht wurde. Eine Verbesserung der Immunschwäche durch eine antiretrovirale Therapie sollte einen positiven Effekt auf dieses Risiko haben, deshalb unterstreicht den Autoren zufolge diese aktuelle Auswertung den hohen Stellenwert einer antiretroviralen Therapie, die vor allem auch das Immunsystem stärkt.
Ausgewertet wurden die Daten von 23.437 Patienten unter Therapie, die prospektiv 104.921 Patientenjahre beobachtet wurden. Insgesamt 355 Patienten starben an einem Tumor, davon 110 an einem ADM und 188 an einem nADM. Die ADM-Todesrate betrug 20.1/1.000 Personenjahre bei einer zuletzt gemessenen CD4-Zellzahl von <50/μl und sank auf 0,1/1.000 Patientenjahre bei >500 CD4-Zellen/μl, die nADM-Todesrate betrug 6,0 bzw. 0,6/1.000 Patientenjahre bei <50 bzw. >500 Zellen/μl. Eine zweifach höhere CD4-Zellzahl halbierte das Risiko, an einem ADM zu sterben. Weitere Prädiktoren für eine erhöhte ADM-Mortalität waren Homosexualität, höheres Alter, vorherige AIDS-Diagnose und frühes Kalenderjahr. Prädiktoren für eine erhöhte nADM-Mortalität waren niedrige CD4Zellzahl, höheres Alter, Raucher und Ex-Raucher, längere kumulative Therapiedauer, aktive Hepatitis-B-Infektion und frühes Kalenderjahr .
Insgesamt starben die HIV-Patienten häufiger an einem nADM als an einem ADM - außer wenn die CD4-Zellzahl <50 Zellen/μl betrug. Der häufigste nADM war wegen des hohen Anteils an Rauchern wie erwartet Lungenkrebs.
AIDS:Volume 22(16)18 October 2008 p 2143-2153
http://natap.org/2008/HIV/100808_02.htm



