CD-Nadir bestimmt neurokognitive Einschränkungen
Obwohl die antiretrovirale Therapie die HIV-assoziierten neurokognitiven Störungen abschwächt, werden diese Störungen nach wie vor beobachtet. Eine spanische Arbeitsgruppe untersuchte 64 HIV-infizierte Patienten und teilte sie in zwei Gruppen auf: Gruppe 1 mit einem Nadir von <200 CD4-Zellen/μl und Gruppe 2 mit einem Nadir von >200 Zellen/μl. Alle Patienten der Gruppe 1, jedoch nur die Hälfte aus Gruppe 2 nahmen eine ART ein, dementsprechend war die Viruslast bei 88,4% bzw. 50% nicht nachweisbar. Tendenziell mehr Patienten mit einem CD4-Nadir unter 200 Zellen/μl hatten neurokognitive Einschränkungen. Je höher der Nadir, umso geringer war der Anteil der Patienten mit Einschränkungen, und zwar unabhängig von einer HIV-Therapie: 73,1% bei ≤200 Zellen/μl, 66,7% bei ≤250 Zellen/μl, 63,9% bei ≤300 Zellen/μl und 57,1% bei ≤350 Zellen/μl. Je niedriger der Cut-off war, desto größer war der Unterschied. Zusätzlich zeigten die Patienten mit einem Nadir ≤200 Zellen/μl Einschränkungen beim Erinnerungsvermögen.
Die Autoren erklären die Unterschiede bei unterschiedlichem CD4-Nadir damit, dass der durch HIV bedingte Zusammenbruch des Immunsystems mit nachfolgender Dysfunktion der Lymphozyten zu Schäden im Gehirn führen kann.
Ein niedriger CD4-Nadir scheint ein Marker für eine wahrscheinlich unumkehrbare Immunrekonstitution zu sein und trotz HIV-Therapie und fehlender HIV-Symptomatik schreiten die HIV-bedingten neuronalen Zerstörungen im Gehirn voran.
Die Konsequenz: Auch um irreversible neurokognitive Einschränkungen zu vermeiden, sollte eine HIV-Therapie spätestens bei 350 Zellen/μl gestartet werden.
Munoz-Moreno JA et al. Nadir CD4 cell count predicts neurocognitive impairment in HIV-infected patients. AIDS Res Hum Retroviruses. 2008 Oct;24(10):1301-7
http://natap.org/2008/HIV/102108_01.htm



