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Ist Altern eine Krankheit?

In Deutschland wird ein jetzt neugeborenes Mädchen im Schnitt 81,8 Jahre und ein neugeborener Junge 76,2 Jahre alt. Im Jahre 2050 soll die durchschnittliche Lebenserwartung bei über 85 Jahren liegen – japanische Frauen leben schon heute durchschnittlich 85,5 Jahre. Ursachen der nach wie vor sinkenden Mortalität und steigenden Lebenserwartung in den westlichen Industrieländern waren vor 1970 eine bessere Ernährung und Hygiene sowie Fortschritte in der Medizin wie beispielsweise Antibiotika und Impfungen und nach 1970 bessere Lebensbedingungen, Änderungen der Lebensgewohnheiten und eine bessere präventive Medizin wie Antihypertensiva. Können neue Substanzen das biologische Altern bei Menschen weiter aufhalten? Dieser Frage geht ein Übersichtsartikel von Jan Vijg und Judith Campisi in der Zeitschrift Nature nach.

Heutzutage ist es möglich, die Lebensdauer von Hefepilzen, Fadenwürmern, Fliegen und Mäusen mit Hilfe von Gentechnik, Ernährung und Pharmakologie zu verlängern. Aber auch wenn die grundlegende Biologie bei der Hefe und den Menschen ähnlich ist, können die Ergebnisse und Mechanismen, die bei relativ einfachen Organismen gewonnen wurden, nicht ohne Weiteres auf Menschen übertragen werden. Bisherige Modelle zeigen: Je komplexer ein Organismus ist, um so geringer ist der Einfluss von Mutationen oder Pharmaka auf dessen Lebenszeit. Selbst bei einfachen Organismen interagieren die lebenszeitverlängernden Stoffwechselvorgänge mit mehreren anderen Schaltstellen. Die Autoren gehen davon aus, dass es theoretisch möglich ist, mit einer zielgerichteten Intervention die im Laufe der Evolution entstandenen gut ausbalancierten Zell-Zell-Interaktion des Alterungsprozesses auch bei Menschen zu ändern, um somit die Lebensdauer zu verlängern. Allerdings ist das noch ein langer Weg, auf dem viele bisher ungeklärte Prozesse geklärt werden müssen. Und die Autoren meinen, dass es keinen Grund gibt, nicht danach zu streben, „das Altern zu heilen“, um die Gesundheit und Lebensdauer der Menschen zu verbessern.
Bleibt die Frage, ob Altern überhaupt eine Krankheit ist?
 
Vijg J und Campisi J. Puzzles, promises and a cure for ageing. Nature 2008; 454: 1065-1071

 

Stand vom  17. Januar 2012 | Copyright 2012 Abbott GmbH & Co. KG | Kontakt | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Druckversion