Mehr fetten Seefisch essen!
Ein „State-of-the-Art-Paper“ bestätigt: Fischöl ist ein natürlicher Schutz vor kardiovaskulären Erkrankungen. Es hört sich fast nach einer Wunderdroge an: Tierische mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren wirken in der Primärprävention, nach Herzinfarkt, bei KHK, Herzinsuffizienz, Arrhythmien, Hypertriglyzeridämie, Artherosklerose und Kammerflimmern.
Es geht um die essentiellen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexapentaensäure (DHA), die in Hering, Makrele, Lachs, Thunfisch und Sardinen enthalten sind. Lieferant dieser Fettsäuren sind die marinen Mikroorganismen, die diesen Fischen als Nahrung dienen. Ein erster Anhaltspunkt, dass Fischöl das Herz schützt, wurde 1944 bei den grönländischen Inuits beobachtet: Trotz des Mangels am Obst und Gemüse und der hohen Menge an gesättigten Fettsäuren und Cholesterol, hatten die Inuits niedrigere Cholesterin und Triglyzerid-Werte als die Dänen. In den letzten dreißig Jahren mehrten sich die epidemiologischen und klinischen Studien, die den Herzschutz des Fischöls belegen. So gibt es mindestens 25 Studien mit KHK-Patienten, die zeigen, dass die Verringerung kardiovaskulärer Ereignisse invers korreliert mit der Gewebekonzentration von EPA und vor allem DHA. Dabei haben pflanzliche Omega-3-Fettsäuren wie alpha-Linolensäure, die vom Menschen erst in EPA und DHA umgebaut werden müssen, keinen, wenn nicht sogar einen ungünstigen Effekt aufs Herz.
Die kardiovaskuläre Protektion von EPA und DHA beruht vor allem in der Einlagerung von Phospholipiden in den Zellmembranen. Darüber hinaus blockieren sie unter anderem spannungsabhängige Natrium-Kanäle, hemmen die Plättchenaggregation und die Produktion von pro-inflammatorischen Zytokinen wie Interleukin-1B, Interleukin-6 und Tumornekrosefaktor-alpha. Außerdem aktivieren sie die PPAR(peroxisome proliferator-acitvator receptor)-alpha und -gamma, die unter anderem für die Regulierung von Adipozyten, kardioprotektiven Adiponectin und Entzündungsfaktoren verantwortlich sind. Für die plättchenhemmende, antientzündliche und triglyzeridsenkende Wirkung sind relativ hohe Dosen von DHA und EPA von 3-4 g pro Tag nötig, während für die antiarrhythmische Wirkung und Verbesserung der Herzinsuffizienz 500-1.000mg pro Tag reichen, bei Herzinsuffizienz kann auch höher dosiert werden. Bei übergewichtigen Patienten verringerten täglich 1,8g EPA die Adiponectin-Konzentration und verbesserte die Insulinresistenz. Die optimale Dosis und das optimale Verhältnis von DHA und EPA sind schwierig zu bestimmen. DHA scheint bei gleicher Dosis wirksamer zu sein als EPA. In den meisten Fischen beträgt das Verhältnis DHA:EPA 2:1, in extrahiertem Fischöl in Kapseln beträgt das Verhältnis 2:3 und weniger.
Die American Heart Association empfiehlt für KHK-Patienten täglich 1.000mg EPA/DHA als Nahrungsergänzung. Menschen ohne Herzerkrankrankung sollten zweimal die Woche Fisch essen, was einer Dosis von 500mg EPA/DHA pro Tag entspricht. Die Autoren empfehlen aufgrund der Datenlage täglich 800-1.000mg EPA/DHA für Patienten mit Herzinsuffizienz. Für Patienten mit Hypertriglyzeridämie sind mittlere bis hohe Dosen EPA/DHA angezeigt (4g/Tag).
Eine Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren kann Übelkeit, „gastrointestinales“ Unwohlsein und „fischiges“ Aufstoßen hervorrufen. Dass die Nahrungsergänzung mit aus Fischen gewonnenen Omega-3-Fettsäuren zu einer Quecksilberkontamination führen könnte, ist unbegründet: Quecksilber ist wasserlöslich und an Proteinen gebunden, also an den Muskeln der Fische und nicht im Fett.
Lavie CJ et al. J Am Coll Cardiol 2009 ; 54 :585-594, doi :10.1016/j.jacc.200902.084
http://natap.org/2009/HIV/080509_04.htm



