Wildlebende Schimpansen doch nicht immun gegen AIDS
Simiane Immundefizienzviren (SIV) verursachen in ihren natürlichen Wirten, den afrikanischen Primaten, zwar eine Infektion, jedoch kein AIDS – so dachte man bislang. Aber nun hat eine Forschergruppe nachgewiesen, dass freilebende, mit SIVcpz (cpz von chimpanzees)
infizierte Schimpansen doch an AIDS erkranken können.
In Afrika gibt es mehr als 40 verschiedene SI-Viren, mit denen wildlebende afrikanische Primaten infiziert sein können. HIV-1 und HIV-2 haben sich aus zwei dieser SI-Viren entwickelt, mit den für den Menschen bekannten Folgen der Immunschwäche AIDS. Fast zehn Jahre lang untersuchten die Wissenschaftler im Gombe-Nationalpark in Tansania (dem Forschungsgebiet der Ethnologin Jane Godall) Kot und Urin der dort lebenden 94 Schimpansen. Insgesamt 17 dieser Primaten waren mit dem SIVcpz infiziert, dem direkten Vorläufer von HIV-1. Im Vergleich zu den nicht-infizierten Schimpansen, hatten die mit SIVcpz-infizierten ein 10-16-fach höheres Risiko zu sterben. Die infizierten Weibchen bekamen weniger Nachwuchs und die Nachkommen starben eher. Die SIVcpz-Infektion war mit einer fortschreitenden Abnahme der CD4-Zellzahl und Immundeaktivierung als Zeichen einer pathogenetischen HIVInfektion assoziiert. Autopsien toter infizierter Schimpansen ergaben
histopathologische Befunde wie beim Endstadium AIDS. Anders als SIVcpz infiziert der direkte Vorläufer von HIV-2, das SIVsm der Rauchgrau-Mangaben (Sooty mangabey; gehören zur Familie der Meerkatzen) zwar seinen Wirt, die Infektion verläuft bei ihnen jedoch asymptomatisch. Die Forschergruppe kann jetzt die Immundefizienz-Viren in zwei nahe verwandten Arten untersuchen und hofft, dass sie neue Erkenntnisse über virale Faktoren und Wirtsfaktoren gewinnt, die erklären, warum die Progression von bzw. die Immunantwort auf HIV und SIV so unterschiedlich ist.
Keele BF et al. Nature 2009 ; 460, 515-519
http://www.nature.com/nature/journal/v460/n7254/pdf/nature08200.pdf



