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20 Fragen zu HIV/AIDS

1) Sind mehr Männer von einer HIV-Infektion betroffen als Frauen?

Nach dem letzten Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO (Stand 09) mit Daten zur weltweiten AIDS-Epidemie sind 50 % der Betroffenen Frauen. Die HIV-Infektion unterscheidet nicht nach Geschlecht, Alter oder ethnischer Zugehörigkeit. Fest steht allerdings, dass die Lebensbedingungen bestimmter Bevölkerungsgruppen das Übertragungsrisiko erhöhen.

2) Wie kann festgestellt werden, ob man sich mit dem HI-Virus angesteckt hat?

Dies ist ausschließlich anhand einer in einer entsprechend ausgestatteten Arztpraxis oder Klinik durchgeführten Blutuntersuchung, dem so genannten „HIV-Test“, möglich.

3) Was passiert, wenn der HIV-Test (ELISA-Suchtest) positiv ausfällt?

Ein positives Ergebnis im ELISA-Suchtest bedeutet, dass Antikörper gegen das HI-Virus (HIV) nachgewiesen werden konnten. Dies wiederum heißt, dass man das Virus aller Wahrscheinlichkeit nach in sich trägt und daher andere Menschen anstecken kann, sofern keine entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Bei einem positiven Suchtest ist dann noch ein Bestätigungstest erforderlich, erst wenn beide Tests positiv sind, wird die Diagnose „HIV-positiv“ gestellt.

Wenn man HIV-positiv ist, bedeutet das aber noch nicht zwangsläufig, dass man an AIDS erkrankt ist. Ob bzw. wann die Krankheit zum Ausbruch kommt, hängt vor allem von der Stärke bzw. Schwäche der Immunabwehr des Einzelnen ab. Von AIDS spricht man erst dann, wenn die Infektion fortgeschritten ist und das Immunsystem bereits so sehr geschwächt hat, dass dieses andere, so genannte opportunistische Infektionen nicht mehr in Schach halten kann. AIDS äußerst sich also in der HIV-bedingten Entwicklung opportunistischer Erkrankungen und/oder einer CD4+-Lymphozytenkonzentration unter 200 Zellen/mm³.

4) Was bedeutet ein negatives Testergebnis?

Ein negatives Ergebnis bedeutet, dass sich mit den aktuellen Testverfahren (in der Regel ein ELISA-Suchtest) zum Zeitpunkt der Testdurchführung im Blut der betreffenden Person keine Antikörper gegen das HI-Virus nachweisen ließen. Besonders zu beachten ist, dass der Zeitpunkt der Testdurchführung ganz entscheidend ist: So bedeutet ein negatives Testergebnis nicht immer, dass der Betreffende tatsächlich nicht mit dem HI-Virus infiziert ist. Denn er könnte sich zum Zeitpunkt der Testdurchführung gerade im so genannten „diagnostischen Fenster“ befinden. Dies ist der Zeitraum, in dem die HIV-Infektion unerkannt bleibt. Es wird in diesem Fall empfohlen, den HIV-Test nach 3 Monaten zu wiederholen.

5) Was ist das „diagnostische Fenster“?

Zwischen dem Zeitpunkt der Erstinfektion und der Bildung von Antikörpern gegen das HI-Virus durch den Organismus können etliche Wochen (und sogar Monate) vergehen: Dieser Zeitraum wird als diagnostisches Fenster bezeichnet. Dies ist eine kritische Phase, da die in diesem Zeitraum bei dem Infizierten durchgeführten Tests ein negatives Ergebnis liefern, während er aber das Virus auf andere übertragen kann. Wegen dieses diagnostischen Fensters wird empfohlen, nach einer möglichen Exposition gegenüber einer Ansteckungsquelle mit dem HIV-Bluttest noch 30 Tage zu warten und diesen Test drei Monate später zu wiederholen (wobei letzterer Zeitraum je nach Praxis oder Klinik unterschiedlich lang sein kann).

6) Was versteht man unter Postexpositionsprophylaxe (PEP)?

Darunter versteht man die Behandlung mit HIV-Medikamenten für 1 Monat unmittelbar nach einer Exposition gegenüber dem Virus (innerhalb der ersten 72 Stunden). Dadurch soll verhindert werden, dass sich das HI-Virus im Organismus etabliert. Idealerweise erfolgt die PEP innerhalb von 2 bis 24 Stunden nach einer möglichen Exposition; später als 48 – 72 Stunden ist eine PEP nicht mehr sinnvoll.

7) Besteht zwischen der HIV-Infektion und AIDS ein Unterschied?

Grundsätzlich ist zwischen zwei Situationen zu unterscheiden, nämlich einerseits dem Zustand, dass man das HI-Virus in sich trägt (also seropositiv ist), und andererseits dem Ausbruch der AIDS-Erkrankung.

Wenn feststeht, dass jemand Träger des HI-Virus ist, dann ist es wahrscheinlich, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Ausbruch von AIDS kommt. Allerdings lässt sich schwer vorhersagen, ob und wann es letztlich dazu kommt. Denn der Ausbruch der Erkrankung hängt einerseits von der Stärke bzw. Schwäche der Immunabwehr des Einzelnen und andererseits vom Beginn der Behandlung mit antiretroviralen Mitteln ab.

Von AIDS spricht man dann, wenn die Infektion voranschreitet und zu einem Rückgang der Zahl der CD4-Lymphozyten führt. Dadurch wird die Abwehrkraft des Immunsystems geschwächt. AIDS äußerst sich demnach in der HIV-bedingten Entwicklung opportunistischer Erkrankungen und/oder einer CD4-Lymphozytenkonzentration unter 200 Zellen/mm³.

8) Wie lange dauert es normalerweise zwischen der HIV-Infektion und dem Ausbruch von AIDS?

Hierfür kann kein genauer Zeitraum angegeben werden, da jeder Mensch anders ist. Bevor die HAART (hochaktive antiretrovirale Therapie) zur Verfügung stand (also vor 1996) ging man von vier bis sieben Jahren aus. Mit den modernen antiretroviralen Mitteln lässt sich der Ausbruch der Erkrankung allerdings langfristig verhindern.

9) Wie wird das HI-Virus übertragen?

  • Durch sexuelle Kontakte ohne entsprechenden Schutz, bei denen es zum Austausch von Körperflüssigkeiten (Blut, Samenflüssigkeit, Vaginalflüssigkeit) mit einem Infizierten kommt.
  • Gemeinsamer Gebrauch von Spritzen, Nadeln, Kanülen mit einem Infizierten
  • Verletzungen an kontaminierten scharfen oder spitzen Gegenständen
  • Während der Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit von einer infizierten Mutter auf ihr Kind, wenn die Mutter nicht entsprechend medizinisch/medikamentös behandelt wird.

10) Wie wird das HI-Virus NICHT übertragen?

NICHT übertragen wird das HI-Virus über die Luft, das Wasser, Lebensmittel, Insektenstiche, Tiere, Geschirr und Besteck, Schwämme, Handtücher, Toilettensitze etc. Ganz generell besteht demnach nur dann eine Ansteckungsgefahr, wenn die Körperflüssigkeiten Blut, Samenflüssigkeit, Vaginalflüssigkeit oder Muttermilch beteiligt sind.

NICHT übertragen wird das HI-Virus durch Speichel, Tränenflüssigkeit, Schweiß, Kot oder Urin.

11) Gibt es ein für die HIV-Infektion spezifisches Symptom?

Zu Beginn der Infektion reagiert die Immunabwehr des Körpers auf den Angriff durch das HI-Virus ähnlich wie bei anderen Viren. Daher kann es zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Lymphknotenschwellungen, Kopfschmerzen, Husten etc. kommen; allerdings ist keines dieser Krankheitszeichen für eine HIV-Infektion spezifisch.

12) Warum ist die CD4-Lymphozytenzahl so wichtig?

Im Organismus bekämpfen die CD4-Lymphozyten sich anbahnende Infektionen und sind an der Regulierung der Aktivität des Abwehrsystems beteiligt. Die CD4-Lymphozytenzahl (Zellen/mm3) ist ein guter Indikator für das Fortschreiten der HIV-Infektion: Eine hohe CD4-Zahl bedeutet, dass die Infektion unter Kontrolle ist, während eine geringe CD4-Zahl darauf hinweist, dass die Infektion fortschreitet.

13) Was versteht man unter der Viruslast?

Dies ist die Zahl der HIV-Kopien im Blut. Die Viruslast wird normalerweise mit Hilfe der PCR (Polymerase-Kettenreaktion) gemessen und in Kopien/ml angegeben. Die Werte der Viruslast und CD4-Lymphozytenzahl weisen in der Regel folgenden generellen Zusammenhang auf: je höher die Viruslast, desto geringer die Lymphozytenzahl.

14) Gibt es für die HIV-Infektion eine Heilung?

Leider nein. Mit den aktuell zur Verfügung stehenden Arzneimitteln kann das Virus nicht vollständig aus dem Organismus entfernt werden. Dennoch lässt sich damit die Wahrscheinlichkeit, mit der das Virus seinen Lebenszyklus zu Ende führen kann, verringern. Dadurch werden die infizierten Zellen daran gehindert, neue HIV-Partikel zu produzieren. Ziel jeder antiretroviralen Therapie ist es, die Viruskonzentration unterhalb der Nachweisgrenze zu halten das bedeutet zur Zeit weniger als 50 Kopien (ml).

15) Warum ist es so wichtig, die Therapie genau einzuhalten?

Die HIV-Therapie kann durchaus komplex sein (mehrmals tägliche Einnahme verschiedener Tabletten oder Kapseln). Deshalb muss das vom Arzt verordnete Therapieschema zuverlässig und genau eingehalten werden. Andernfalls wird es dem Virus ermöglicht, sich zu vermehren. Bei subtherapeutischen Wirkstoffspiegeln kann es zudem zur Ausbildung von Resistenzen gegenüber bestimmten Medikamenten kommen.

16) Sind bestimmte Patienten anfälliger für die Ausbildung von Resistenzen gegenüber antiretroviralen Mitteln?

Zwar können in Abhängigkeit von anderen, gleichzeitig bestehenden Erkrankungen und den entsprechenden Behandlungen einzelfallbedingt bestimmte Unterschiede bestehen, doch gilt generell, dass die Ausbildung von Resistenzen gegen HIV-Medikamente in erster Linie von der Therapietreue des Patienten und der Robustheit des Medikaments abhängt. Es gilt: je höher die genetische Barriere eines Medikaments ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Resistenzbildung.

17) Kann sich ein mit HIV infizierter Patient gegen andere Infektionskrankheiten impfen lassen?

Prinzipiell ist dies ohne größere Probleme möglich. Allerdings hängt das Ansprechen auf die Impfung vom Krankheitszustand ab: In der Regel ist bei einer hohen CD4-Lymphozytenzahl von einem guten Ansprechen auszugehen, während bei niedrigeren CD4-Zahlen mit einem schlechteren Ansprechen zu rechnen ist. Der Arzt berät entsprechend der jeweiligen Situation im Einzelfall, doch scheint eine Impfung von Patienten mit weniger als 200 CD4-Zellen/mm3 nicht sinnvoll zu sein.

In manchen Fällen kommt es nach der Impfung zu einem geringfügigen Anstieg der Viruslast. Allerdings fällt diese nach einigen Wochen wieder ab.

18) Was für Folgen hat eine HIV-HCV-Koinfektion?

Beim gleichzeitigen Vorliegen einer HIV- und HCV-Infektion verschlechtert sich der Verlauf von beiden Erkrankungen: Das HI-Virus spricht auf die Behandlung möglicherweise schlechter an, und das Hepatitis-C-Virus schädigt die Leber in viel stärkerem Ausmaß. Daher ist es für HIV-Infizierte sehr wichtig zu wissen, ob sie sich auch mit HCV angesteckt haben. Wenn dies nicht der Fall ist, empfehlen sich vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung einer Koinfektion.

19) Besteht bei Tätowierungen oder Piercings ein HIV-Übertragungsrisiko?

Bei potenziell mit Blut kontaminierten Instrumenten, wie den zum Stechen von Tattoos oder Piercings etc. verwendeten Nadeln, besteht immer ein gewisses Risiko für die Übertragung des HI-Virus (sowie von Hepatitis-Viren). Daher sind solche Instrumente zumindest zu sterilisieren. Noch besser ist es natürlich, diese stets nur bei einer Person zu verwenden und dann fachgerecht zu entsorgen.

20) Warum ist es so schwierig, einen Impfstoff gegen das HI-Virus zu entwickeln?

Die Präventionsprogramme haben sich zwar als außerordentlich hilfreich bei der Eindämmung der Verbreitung der HIV-Infektion erwiesen; ganz aufhalten lässt sich diese dadurch aber nicht. Trotz der bislang ergriffenen prophylaktischen und therapeutischen Maßnahmen steigt die Zahl der AIDS-Fälle weltweit weiter an, und zwar insbesondere in den Entwicklungsländern. Angesichts dieser Situation scheint die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das HI-Virus die einzige Methode zu sein, mit der sich der gegenwärtigen AIDS-Pandemie ein Ende setzen lassen könnte. Obwohl in der medizinisch-wissenschaftlichen Fachwelt allgemeiner Konsens darüber besteht, dass die Entwicklung eines Impfstoffs prinzipiell möglich sein müsste, waren die bisherigen Anstrengungen der Forscher in dieser Richtung leider noch nicht erfolgreich.

Die Mutations- und Anpassungsfähigkeit des HI-Virus ist überraschend hoch und erschwert die Entwicklung eines Impfstoffs.

 

Stand vom  17. Januar 2012 | Copyright 2012 Abbott GmbH & Co. KG | Kontakt | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Druckversion