Abb.: Der Infektionsverlauf
Infektionsverlauf
Im Verlauf einer HIV-Infektion können prinzipiell vier Stadien unterschieden werden, die Primärinfektion, die klinisch latente Phase, die symptomatische Phase und das Stadium AIDS. Die hier dargestellten Phasen beschreiben den Verlauf einer unbehandelten HIV-Infektion.
Phase 1 - Primärinfektion:
Wenige Tage bis Wochen nach der Übertragung zeigen sich meist akute, grippeähnliche Symptome, die mit Fieber, Hautausschlag, Lymphknotenschwellungen und Abgeschlagenheit einhergehen können. In dieser Phase, die selten länger als vier Wochen andauert, nimmt die Zahl der Viren im Blut stark zu, so dass die Patienten hoch infektiös d.h. ansteckend sind. Dagegen sinkt die Zahl der CD4-Zellen (auch T-Helferzellen genannt) ab, steigt dann aber wieder an, ohne jedoch wieder den Status vor der Infektion zu erreichen. Normalerweise liegt die Zahl der CD4-Zellen zwischen 800 – 1800 pro µl. Am Ende dieser Phase sind erstmals Antikörper gegen das Virus im Blut nachweisbar, was als Serokonversion bezeichnet wird.
Phase 2 - Klinisch latente Phase:
In dieser Phase, die sich über mehrere Jahre erstrecken kann, verläuft die Infektion symptomlos. Die Viren und das Immunsystem befinden sich jetzt in einem labilen Gleichgewicht, wobei die Infektion jedoch keineswegs ruht. Tag für Tag werden bis zu zehn Milliarden neuer Viruspartikel, aber nur etwa eine Milliarde neuer CD4-Zellen gebildet. Im Laufe der Zeit nimmt die Zahl der CD4-Zellen langsam aber stetig ab, während die Viruslast immer weiter ansteigt.
Phase 3 - Symptomatische Phase:
Fällt die Zahl der CD4-Zellen auf Werte zwischen 500 und 250 pro µl kann es zu ersten opportunistischen Infektionen kommen. Hierbei handelt es sich um Krankheiten, die auf Grund des schlechten Immunstatus auftreten und ein stärkeres Ausmaß annehmen als gewöhnlich. Am häufigsten treten Tuberkulose, Candidose, Gürtelrose (Herpes Zoster) und die durch das Epstein-Barr-Virus hervorgerufene Haarleukoplakie (grau-weißliche, papillomatöse, nicht abstreifbare Plaques, meist an seitlichen Zungenrändern) auf.
Phase 4 - AIDS:
Sinkt die Zahl der CD4-Zellen unter 250 pro µl Blut, steigt das Risiko für weitere opportunistische Infektionen wie die Pneumocystis-Pneumonie (PcP), die durch einen Pilzbefall der Lunge hervorgerufen wird. Auch Tumore können jetzt entstehen, wie das Kaposi-Sarkom, eine bösartige Hautkrebsform. Toxoplasmose ist ebenfalls eine AIDS-definierende Erkrankung, die durch parasitäre Einzeller hervorgerufenen wird. Sie kann zu Entzündungsherden in allen Organen insbesondere aber im Zentralen Nervensystem führen, die Symptome wie Wesensveränderungen, Lähmungen und Krämpfe hervorrufen können. Ebenfalls typisch für das Stadium AIDS sind Cytomegalovirus-Infektionen (CMV), atypische Mykobakteriosen und Lymphdrüsenkrebs.
Bei einer unbehandelten HIV-Infektion vergehen in der Regel zwischen vier und sieben Jahre bis das AIDS-Stadium erreicht ist. Diese Unterschiede können auf einer Vielzahl von Gründen beruhen. Es gibt manche Personen, die einen "Defekt" im Erbgut haben, so dass das Eindringen des Virus in die CD4-Zellen erschwert ist. Auch die Viren selbst können durch Veränderungen in ihrem Erbgut in ihrer Vermehrungsfähigkeit eingeschränkt sein. Solche Mutationen können jedoch auch den gegenteiligen Effekt bewirken. Zu einer gesteigerten Virusvermehrung kann es zudem auch bei der nicht seltenen Begleitinfektion mit dem Hepatitis C-Virus kommen.





